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Als „Calchere" werden Öfen bezeichnet, in denen früher Kalk gebrannt wurde. Kalksteinblöcke wurden gesammelt, bearbeitet und gebrannt, um Branntkalk zu bekommen, der in vielen Bereichen zum Einsatz kam. Obwohl diese Öfen nicht mehr in Gebrauch sind, gibt es im Valle di Ledro noch zirka vierzig davon.
Der traditionelle Kalkofen, der zum Brennen von Kalkstein verwendet wurde, ist kreisförmig mit einem Innenraum aus Stein mit variablen Abmessungen von 3-5 m Durchmesser und 4-6 m Höhe und wurde normalerweise in einen Erdwall hineingebaut. Die Erdwallkonstruktion hatte zwei verschiedene Vorteile: Einerseits konnte so die Wandhöhe leichter angepasst werden, da Steine bei Bedarf einfach aufgelegt werden konnten, und andererseits war die obere Öffnung des Kalkofens über den Hang leicht zugänglich.
Die zum Kalkofenbau verwendeten Materialien können in zwei Gruppen aufgeteilt werden: Kalkdolomitgestein und Gestein aus Moränenablagerungen (Granit, Porphyrit und Methamorphit). Die mit Kalkdolomit gebauten Öfen hatten den Nachteil, das sie sich sehr schnell abnutzten: Während des Brennens der Kalksteine wurde auch der innere Teil des Kalkofens gebrannt, wodurch dessen Dicke abnahm. Dies beeinträchtigte die Struktur des Ofens derart, dass er nach mehrmaligem Brennen entweder ausgebessert oder aufgegeben werden musste. Um diesem Prozess entgegenzuwirken, wurden die Innenwände mit Kalk beschichtet.
Nach dem Bau eines Kalkofens an einem Ort, an dem große Mengen geeigneter Steine zur Verfügung standen und der außerdem problemlos mit Karren erreicht werden konnte, mussten vor dem Brennen große Mengen an Holz in Form Bündeln mit 30-40 cm Durchmesser und 8-10 kg Gewicht verfügbar sein. Für einen Kalkofen mit mittlerer Kapazität (25 Tonne produzierter Kalk) benötigte man zirka 3000 Bündel, die ein erfahrener Waldarbeiter in zirka einem Monat zusammenstellen konnte. Ein Großteil der Kosten für die Kalkherstellung war sicherlich dem enormen Holzbedarf zu verdanken. Am besten eigneten sich Bündel aus Fichten- und Kiefernholz. Verwendet wurde aber auch Restholz, das bei Waldarbeiten abfiel, sowie Nussbaum-, Eschen- oder Weidenreisig, das nicht einmal als Brennmaterial in den Häusern zum Einsatz kam.
Der Kalk selbst wurde aus Kalkgestein gebrannt, das überall im Valle di Ledro zu finden war. Das Gestein wurde normalerweise in der Nähe des Kalkofens in Bachbetten und unter Felswänden gesammelt, und die Aufteilung in „gutes Kalkgestein" und „schlechtes Kalkgestein" besorgten erfahrene „Calcherot" (Kalkbrenner).
Um einen Kalkofen zu betreiben, wurden in erster Linie Holzbündel zusammengetragen, die in Ofennähe aufgehäuft wurden. In der Regel entsprach das Gewicht des hergestellten Kalks dem des zum Brennen vorhandenen Holzes. Nach der Bereitstellung des Holzes wurde der Ofen vorbereitet. In der ersten Phase wurden die „Öffnungen" für die Feuerung und das Gewölbe gebaut. Entsprechend vierkantig gehauene Gesteinsblöcke wurden aufgelegt, dass eine Öffnung entstand, durch die dann die Holzbündel eingelegt wurden. Unter der Öffnung wurde Platz für einen Entlüftungsschlitz gelassen, der auch zur Entfernung der Asche, die beim Verbrennen anfiel, diente. Besonders heikel war der Bau des Gewölbes, das die Feuerung von den zu brennenden Kalksteinen trennte. Auf einer Art Bank, die die Feuerung umgab, wurden wie im klassischen Tonnengewölbebau die Kalksteine angeordnet. Die Steine wurden im Trockenbauverfahren aneinandergereiht und aufeinandergelegt. Um der Konstruktion Stabilität zu verleihen, wurde in die Mitte ein keilförmiger Block, der sogenannte Schlussstein, gelegt. Der fertige Ofen konnte mit dem gesammelten Kalkgestein befüllt werden. Dieses wurde der Größe nach eingegeben: Die größten Steine lagen am dichtesten bei der Flamme. Nach der Ofenbefüllung wurde die Ofentür geschlossen.
Nun war alles bereit, um den Ofen anzuzünden: In die Feuerung wurde Holz gehäuft, das mit einer Fackel angezündet wurde. Danach wurde regelmäßig und ununterbrochen mit Holzbündeln nachgeschürt: 90 Stunden lang musste alle drei Minuten ein neues Bündel nachgelegt werden. In der ersten Brennphase traten aus der oberen Öffnung des Ofens rote Flammen aus, in der Schlussphase leuchtete die Flamme bläulich. Der Ofen wurde ein paar Tage später entladen, sobald der Kalk abgekühlt war und besser gehandhabt werden konnte. Im Allgemeinen wurde der gewonnene Kalk noch vor Ort gewogen und verkauft.
Der Kalk wurde in zahlreichen Bereichen zu unterschiedlichen Zwecken eingesetzt. Für das traditionelle Bauwesen ist er ein Grundmaterial: Er wurde für die Mörtelmischung zum Verputzen, die Herstellung von Farben sowie zum Desinfizieren der Räume eingesetzt. In der Landwirtschaft war er so weit verbreitet, dass in den Höfen oft das sogenannte „busa della calce" (Kalkloch) vorbereitet wurde, eine Grube, die eine bestimmte Menge an stets verwendungsfertigem Löschkalk enthielt. Kalk wurde zudem als Konservierungsmittel verwendet.
Im Valle di Ledro wurden, verteilt auf alle sechs Gemeinden, insbesondere in Tiarno di Sopra, im Val d'Ampola, in Concei und in Molina di Ledro insgesamt 40 Kalköfen gezählt.
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